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Criminals for Freedom

 

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Ein Blick in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – Selbstverständnis von C4F

Wir sind ein Zusammenschluss von Menschen, welcher sich gegen Knäste und die Knastgesellschaft auf unterschiedliche Art und Weise versucht zu wehren. Wir sehen den Knast nicht losgelöst von den Verhältnissen „draußen“, sondern vielmehr als ein fundamentales Element von Staat und Kapitalismus, welchen wir ebenfalls feindlich gegenüber stehen. Mehr dazu aber in unserem Anti-Knast Text (kommt bald).

Ein Blick in die Vergangenheit

Bis März 2020 haben wir unter dem Namen „Soligruppe Berlin der GG/BO“ agiert. Die „Gefangenen Gewerkschaft/Bundesweite Organisation“ hat sich im Mai 2014 im Knast Tegel gegründet, um die starke Spaltung zwischen den Gefangenen zu durchbrechen und sich mithilfe von gemeinsam formulierten Minimalforderungen (Mindestlohn, Einbezug in die Rentenversicherung, Tariffähigkeit usw.) gegen die ausbeuterischen Verhältnisse hinter Gittern zu wehren. Die GG/BO ist dementsprechend ein selbstorganisiertes Projekt von Gefangenen, welches von Soligruppen außerhalb der Knastmauern unterstützt wird. Auch wir haben, so wie die Soligruppen in Jena, Leipzig, Köln und Nürnberg gefangene Gewerkschaftler*innen bei ihren Kämpfen unterstützt. Dabei haben wir uns auf Gefangene in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg konzentriert. Andere Soligruppen unterstützen Gefangene in den anderen Bundesländern.

Die Bezugnahme zur GG/BO fanden wir immer sehr wertvoll, auch, wenn die Organisation sehr reformistische Ziele formuliert. Zum einen, weil es ein selbstorganisiertes Projekt von unten und innen heraus ist und wir daran anknüpfen konnten. Durch die GG/BO war der Kontakt nach „drinnen“ möglich, wodurch ein reger Austausch zwischen draußen und drinnen stattfinden konnte. Eine Stellvertreter*innenpolitik wollten wir nämlich auf gar keinen Fall betreiben, somit sahen wir die GG/BO als Chance, auf die Belange von Gefangenen einzugehen und ihre Kämpfe mitzugestalten. Zum anderen fanden wir von Anfang an das Selbstverständnis der GG/BO dahingehend sehr wertvoll, als dass es sich „jeder Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ entgegenstellt. Diesen Umstand sowie die formulierten Minimalziele sahen wir als Sprungbrett, mit dem weitergehende Ziele formuliert werden können. So konnten wir durch die Organisation und den daraus resultierenden starken Kontakt zu Gefangenen, u.a. auch Anti-Knast Inhalte breit in die Knäste tragen. Weder die Gefangenen, noch wir hier draußen waren also isoliert mit unseren Kämpfen. Wir haben sie gemeinsam geführt, eine gegenseitige Bezugnahme konnte jederzeit stattfinden.

Leider sehen wir uns seit einem Jahr damit konfrontiert, dass das Konzept der GG/BO, als Organisation hinter Gittern, unter welcher sich viele Gefangene zusammen finden, mit gemeinsam formulierten Zielen Kämpfe führen, an die Öffentlichkeit treten und Aktionen planen, für die Bundesländer, die wir unterstützt haben, nicht mehr greift. Seit mindestens einem Jahr unterstützen wir anstelle dessen vorwiegend Einzelkämpfe von Gefangenen. Unser Hauptanliegen, nämlich die GG/BO und damit Kollektivkämpfe zu unterstützen, ist faktisch einfach nicht mehr möglich, weil es eben in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig Holstein und Baden-Württemberg keine GG/BO mehr gibt.

Die Gründe dafür sind sicherlich vielfältig, allerdings ist offensichtlich geworden, dass die krasse Spaltung der Gefangenen durch beispielsweise Wärter*innen, die Repression und die Isolation leider gut funktioniert. Gefangenen wurden immer wieder klar gemacht, dass der Kontakt mit uns als Soligruppe negative Konsequenzen mit sich ziehen kann. Unsere Kommunikation mit ihnen wurde überwacht, Briefe wurden von Wärter*innen, noch bevor sie die Gefangenen erreicht haben, geklaut, wenn Gefangene trotzdem mit uns im Kontakt waren und sich versuchten, gegen die Verhältnisse zu wehren, folgten oft Disziplinarmaßnahmen, vermehrter Einschluss oder gleich die totale Isolation. Viele Gefangene schüchterte das offensichtlich ein. Während in den Anfangszeiten der GG/BO mehr und mehr Gefangene aktiv werden wollten und die Organisation zeitweise über 1000 Mitglieder zählte, wurde in der jüngsten Zeit unser Kontakt zu Gefangenen geringer, geschweige dem, dass wir heute davon sprechen können, eine „Organisation“ zu unterstützen. Dementsprechend war unser Name schon lange nicht mehr Programm und wir gezwungen, über diesen und damit unsere Rolle und Funktion Gedanken zu machen.

Wir sind überzeugt, dass u.a. unsere antistaatliche und antikapitalistische Haltung dazu beigetragen hat, dass Gefangene vermehrt Repression ausgesetzt sind, wenn sie mit uns Kontakt haben. Wenn sich Menschen draußen gegen Herrschaft und Unterdrückung wehren und dabei nicht nur eine neue Regierung, eine neue Form von Herrschaft oder weniger Ausbeutung und Unterdrückung fordern, sind sie meist mit Repression konfrontiert. Das, was den Staat an meisten angreift, nämlich der Kampf um eine generelle Befreiung von selbigen und dem Kapitalismus, versucht er stetig mit massiver Repression zu beantworten, um Widerstand zu unterdrücken, Rebellierende zum schweigen zu bringen und seine Herrschaft damit zu sichern. Eine Form der Unterdrückung ist dabei der Knast. Er sperrt die Menschen weg, welche sich dem Kapitalismus und den herrschaftlichen Regeln nicht angepasst verhalten haben. Wenn sich hier aber doch Menschen den Mund nicht verbieten lassen, rebellieren und widerständig sind, ist das natürlich absolut konträr zu dem, was der Staat mit dem Knast erreichen will. Gefangene, welche sich organisieren und sich gemeinsam versuchen zu wehren, sind dementsprechend ein Dorn im Auge des Staates.

Innerhalb der GG/BO sind viele Gefangene oft bei den Minimalzielen geblieben oder forderten lediglich „mehr Aufschluss“, eine „bessere medizinische Versorgung“ oder „geringere Einkaufspreise“ im Knast. Diese formulierten Ziele greifen den Staat natürlich erst einmal per se nicht an. Wir glauben aber, dass vor allem der Kontakt nach draußen, beispielsweise zu Anti-Knast Gruppen, den Staat zittern lassen. Gefangene, die nicht isoliert kämpfen, sondern Verbündete drinnen wie draußen suchen und finden, sind für den Staat gefährlich. So war auch die GG/BO seit ihrer Gründung mit Repression konfrontiert, weil es von Anfang an den Kontakt nach draußen gab. So wie wir als Soligruppe dann aber mit der Zeit unsere Anti-Knast Perspektive immer stärker nach außen offen darlegten, stieg auch die Repression gegen Gefangene zunehmend an. Seit wir beispielsweise Wärter*innen des Knastes Neumünster öffentlich benannt haben, welche Gefangene drangsalieren, kommt unsere Post in den Knast fast gar nicht mehr bei den Gefangenen an.

Wir mussten uns also entscheiden: springen wir auf den reformistischen Zug, halten wir in bestimmten Punkten die Klappe, wird die Repression vielleicht geringer und die GG/BO vielleicht wieder größer. Oder wollen wir gemeinsam gefährlich, gemeinsam rebellisch bleiben, uns nicht einschüchtern lassen und tatsächlich, drinnen wie draußen, eine Bedrohung für Staat und kapital sein?

Ja, wir wollen!

Criminals for freedom!

Die Entscheidung viel uns ehrlich gesagt nicht schwer. Uns ist klar, dass eine tatsächliche Befreiung von Unterdrückung, Herrschaft, Faschismus, Patriarchat usw. nicht mit dem Staat oder dem Kapital stattfinden kann, weil diese jede Form von Unterdrückung befördern und zur Erhaltung ihres Systems benötigen. Sich vor dem Staat zu ducken, sich seiner Repression zu unterwerfen, die Klappe zu halten und zu Hause Däumchen zu drehen, war deswegen nie eine ernste Diskussion zwischen uns.

Auch stellten wir nie zur Diskussion, dass wir alle Gefangene unterstützen wollten. In unserer Praxis war es eben aber kein Kollektiv mehr, welches wir unterstützen, sondern einzelne kämpfende Gefangene aber auch nicht kämpfende Gefangene. Auch, wenn wir nun einen neuen Namen haben, werden wir weiterhin alle Gefangenen, zu denen wir eh schon Kontakt und mit denen wir uns solidarisch gezeigt haben, weiterhin unterstützen. Das gilt auch für alle zukünftigen Gefangenen und Rebell*innen, welche uns kontaktieren werden. Ebenso freuen wir uns natürlich, wenn sich wieder eine GG/BO innerhalb der oben genannten Bundesländer oder sogar bundesweit bilden sollte und sind dementsprechend jederzeit bereit, diese zu unterstützen.

Dabei gilt für uns immer, dass vor allem die Gefangenen die Takt- und Stichwortgeber*innen der Kämpfe drinnen sind. Natürlich versuchen wir auch, darauf Einfluss zu nehmen, allerdings entscheiden in erster Linie die Gefangenen, gegen was sie sich wehren und welche Mittel sie dafür nutzen wollen. Weil wir uns konkret als Unterstützungsstruktur begreifen, kommt es deswegen auch mal vor, dass wir als Sprachrohr für die Gefangenen mit Staatsdiener*innen oder Staatsträger*innen in Kontakt geraten. Wir könnten uns auch Schöneres vorstellen, verstehen allerdings das dringende Bedürfnis einiger Gefangenen, Inhalte zum Beispiel breit an die Öffentlichkeit zu tragen und deswegen kommerzielle Medien zu kontaktieren. Manche wollen auch, dass wir uns mit Sozialarbeiter*innen oder „gemeinnützigen Vereinen“ auseinandersetzen, in der Hoffnung, dass sich im Knast dadurch etwas verbessert. Einige Gefangene schreiten manchmal auch selbst zur Tat und kontaktieren beispielsweise Medienvertreter*innen, mit denen sie arbeiten wollen. Für diejenigen, für welche das nicht in Betracht kommt, weil sie beispielsweise von innen heraus gar nicht die Möglichkeit dazu haben, unterstützen wir an dieser Stelle, soweit wir uns das vorstellen können. Uns ist bewusst, dass unsere ablehnende Haltung gegen den Staat und all seinen Träger*innen und Diener*innen manchmal widersprüchlich zu unserer Praxis ist. Allerdings ist es uns wichtig, in erster Linie die Gefangenen zu unterstützen – unsere Haltung werfen wir dabei nicht gänzlich über Bord, zugegeben tritt sie aber zeitweise an zweiter Stelle. So verhält es sich auch bei Aktionen innerhalb der Knäste. Hier entscheiden die Gefangenen, was sie machen wollen und was nicht. Wir können sie, wieder vorausgesetzt, dass wir uns das vorstellen können, unterstützen und auch gerne aufgrund anderer Praxiserfahrung von Gefangenen Tipps geben.

Anders ist das bei Aktionen draußen. Hier entscheiden wir darüber, was wir machen wollen und was nicht und wählen dabei die Mittel, die wir für wichtig, gut und nötig halten.

Wir wissen, dass bei einigen sofort die Alarmglocken läuten, wenn wir schreiben, dass wir alle unterstützen. Um es vorweg zu nehmen: ja, wir meinen wirklich alle und ja, es kann auch mal sein, dass uns dabei Menschen kontaktieren, mit deren Wertevorstellungen wir nicht einverstanden sind. Uns ist allerdings wichtig, die Konstruktionen von „gut“ und „böse“ nicht zu reproduzieren und eine Richter*innenposition einzunehmen, mit welcher wir beurteilen, was geht und was nicht. Wir wollen Diskussionen zwischen uns und den Gefangenen zulassen, Lebensrealitäten anerkennen aber natürlich auch eigene Grenzen setzen. C4F hat aber nicht die eine Grenze, weil wir kein homogener Haufen sind. Wir setzen uns aus Individuen zusammen, die jeweils eigene Grenzen haben und dementsprechend arbeiten wir auch. Gleichzeitig haben wir auch ein Selbstverständnis gegen Herrschaft und Unterdrückung, welches wir den Gefangenen nicht nur regelmäßig mitteilen, sondern auch stetig darüber mit ihnen im Dialog sind. Konkret bedeutet das, dass bestimmte Gefangene, wie zum Beispiel überzeugte Nazis, gar keine Lust haben mit uns zu arbeiten (was uns ehrlich gesagt die Arbeit oft auch leichter macht). Gleichzeitig haben wir aber auch Kontakt zu Gefangenen, welche zum Beispiel rassistische Äußerungen im (Knast)alltag von sich geben. Im zweiten Fall ist uns eine Auseinandersetzung mit dem Individuum anhand unseres eigenen Selbstverständnisses wichtig und jede*r von uns entscheidet für sich selbst, ob wir den Kontakt weiterhin halten wollen oder nicht. Wichtig: Kontakt heißt nicht direkte Unterstützung. Wenn wir die generelle Abschaffung von Knästen und nicht eigene Knäste für unsere Feind*innen wollen, heißt dass nicht, dass wir alle Gefangenen gleichermaßen unterstützen. Einem überzeugten Nazis würden wir zum Beispiel kein Geld für Telio Telefonate zukommen lassen, wenn allerdings die Knasttüren offen stehen, würden wir sie für ihn auch nicht schließen. Die Auseinandersetzung mit unseren Feind*innen gestaltet sich, so denken wir, nicht durch Knäste, sondern auf der Straße, in den Städten und Dörfern – kurz: dort wo wir leben und leben wollen. Auch, wenn wir es bis heute nicht geschafft haben, die Orte an denen wir leben zum Beispiel zu entnazifizieren, kann Knast nicht die Lösung für gesellschaftliche und politische Probleme sein. Knast verschärft Konflikte, anstatt sie zu lösen.

Ob wir aber dann eine Antwort darauf haben, wir wir mit Menschen umgehen sollen, welche unseren Wertevorstellungen widersprechen?

So wie wir eine befreite Gesellschaft erkämpfen wollen, welche niemals von unterschiedlichen Wertevorstellungen befreit sein wird (und das ist auch gewissermaßen gut so), so arbeiten wir auch an dieser Frage seit unserer Gründung als Soligruppe GG/BO und beantworten sie gerne individuell und nicht pauschal. Und wir hoffen, andere nicht explizite Anti-Knast Gruppen tun das auch, denn Anti-Knast Arbeit darf nicht für sich allein stehen. Unterdrückungsmechanismen bedingen sich und wir fänden es fatal, Diskriminierungsformen jeweils isoliert zu betrachten. Dies entspräche keiner generellen feindschaftlichen Haltung gegenüber dem gesamten vorherrschenden System, welche wir aber gerne pflegen. Die Vernetzung mit antifaschistischen, antirassistischen, antipatriarchalen, antikapitalistischen, antistaatlichen usw. Initiativen fanden wir deswegen schon immer absolut notwendig und versuchen dementsprechend in unserer Praxis jederzeit unsere Kämpfe mit anderen zu verbinden, sodass im besten Fall das „unser“ und „andere“ verschwindet. Kämpfe gemeinsam denken und gestalten und damit der strukturellen Unterdrückung Stück für Stück etwas entgegensetzen und im besten Fall zu überwinden ist daher die Devise, nach der wir arbeiten und welche die oben stehende Frage vielleicht ein Stück weit beantworten kann. Weil wir uns aber auch nicht in der Position sehen, die Frage allein beantworten zu müssen, sind wir natürlich auch offen für neue Ideen und Vorschläge.

Gleichzeitig machen wir auch seit etwa zwei Jahren vermehrt Anti-Repressionsarbeit. So begleiten wir beispielsweise Menschen bei Prozessen oder politisch bei der Vorbereitung auf die Knastzeit. Wichtig ist uns dabei immer, die Kategorien von Schuld und Unschuld oder gut und böse zu überwinden. Die Konstrukte bewegen sich in einem staatlichen Rahmen, in dem Schuld immer meint, sich vorherrschenden Regeln angeblich widersetzt zu haben, womit in dieser Gesellschaft etwas „schlechtes“ oder „böses“ assoziiert wird. Unschuld meint, dem Gesetzbuch und damit den Staat die Füße zu küssen, was in dieser Gesellschaft positiv und damit „gut“ ausgelegt wird. Für alle freiheitsliebenden Menschen ist der Staat allerdings unser Feind und damit auch seine Gesetze und Regeln, welche darauf ausgelegt sind, uns zu beherrschen, zu unterdrücken und zu diskriminieren. Diese zu brechen, ist für uns dementsprechend nichts schlechtes oder böses, sondern meist der offensichtliche Drang, mehr Freiheit zu erlangen. Mithilfe der Konstrukte sollen Handlungen aber von ihrem politischen und gesellschaftlichen Kontext isoliert und die tatsächliche Gewalt, die vom Staat ausgeht, unsichtbar gemacht werden. Individuen wird Schuld an allem Übel gegeben, während der Staat immer gut davon kommt. Er kann machen was er will, uns jeglicher Freiheit berauben und Selbstbestimmung nehmen – verurteilt werden er und seine Handlanger nicht. Aber wir alle, egal ob im Knast oder nicht kämpfen für diese oder ein bisschen mehr Freiheit, sei es mit der Forderung nach mehr Aufschluss, mit einem Banküberfall oder einen Angriff auf diejenigen, die uns ausbeuten und erniedrigen, uns der Freiheit berauben. All diese Kämpfe wird der Staat immer als „böse“. „kriminell“ und „schlecht“ definieren, weil sie seine Struktur, das, was ihn ausmacht, angreifen. Umso wichtiger, dass wir uns verbündeln, die Kämpfe gemeinsam gestalten, uns nicht spalten lassen und uns den Kategorien von böse, kriminell und gut, von schuldig und unschuldig entgegenstellen. Solange der Staat unsere Kämpfe bewusst kriminalisiert und uns damit spalten will, verstehen wir uns deswegen mit voller Genugtuung alle als criminals, egal ob im Knast oder nicht. Denn: wir alle kämpfen für die Freiheit mit unterschiedlichen Mitteln. Wenn da kriminell sein soll, sind wir gerne criminals.

Dass diejenigen, welche sich ein Stück Freiheit nehmen oder erkämpfen wollen oder müssen, weil sonst das Leben oder Überleben einfach nicht mehr möglich ist, vom Staat am meisten angegriffen werden, ist dementsprechend kein Zufall. Deswegen ist es uns wichtig, uns vor allem mit den Unterdrückten solidarisch zu zeigen und eigene Strukturen bei Repression zu unterstützen, welche auf ihre Art und Weise für die Freiheit kämpfen. In einem zunehmend faschistisch autoritär agierenden Staat wird es von Tag zu Tag wichtiger, linke Politik zu verteidigen, auszubauen, und offensiv zu agieren – falls Menschen dabei mit Repression konfrontiert werden, werden wir uns solidarisch zeigen.

Weil sich das hier beschriebene Selbstverständnis und unsere Praxis nicht im Namen „Soligruppe Berlin der GG/BO“ wiederfindet, haben wir uns entschlossen, uns in „Criminals for Freedom – gemeinsam rebellisch, gemeinsam gefährlich“, umzubenennen und unsere tatsächliche Arbeit transparenter zu machen: Unterstützung von allen Gefangenen unabhängig ihrer Struktur oder nicht vorhandenen Struktur, Antirepressions- und Anti-Knastarbeit, verbunden mit allen Kämpfen gegen Unterdrückung, Diskriminierung und Herrschaft und die Verteidigung linker Politik.

Dieses Programm fahren wir nicht erst seit gestern, allerdings soll es sich nun im neuen Namen widerspiegeln.

EN

A look into the past, present and future – C4F’s self-image

We are an association of people who try to defend themselves against prisons and the prison society in different ways. We do not see jail as detached from the conditions “outside”, but rather as a fundamental element of the state and capitalism, which we are also hostile to. But more about that in our anti-jail text (coming soon).

A look into the past

Until March 2020 we operated under the name “ Soligruppe Berlin der GG / BO ”. The ” prisoners union / nationwide organization”Was founded in May 2014 in Tegel prison to break through the strong division between the prisoners and to defend themselves against the exploitative conditions behind bars with the help of jointly formulated minimum requirements (minimum wage, inclusion in the pension insurance, tariff eligibility, etc.). The GG / BO is accordingly a self-organized project of prisoners, which is supported by solo groups outside the prison walls. We too, like the solo groups in Jena, Leipzig, Cologne and Nuremberg, supported trade unionists caught in their struggles. We focused on prisoners in the federal states of Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Western Pomerania and Baden-Württemberg. Other solo groups support prisoners in other federal states.

We always found the reference to the GG / BO very valuable, even if the organization formulates very reformist goals. On the one hand, because it is a self-organized project from below and from within and we were able to build on it. The GG / BO made contact “inside” possible, which enabled a lively exchange between outside and inside to take place. We definitely did not want to pursue a substitute policy, so we saw the GG / BO as an opportunity to address the concerns of prisoners and help shape their struggles. On the other hand, we found the self-image of the GG / BO from the start very valuable in that it opposes “any form of group-related enmity”. We saw this fact as well as the formulated minimum goals as a springboard with which further goals can be formulated. Through the organization and the resulting strong contact with prisoners, we were able to carry anti-prison content widely into the prisons. So neither the prisoners nor we out here were isolated with our struggles. We led them together, a mutual reference could take place at any time.

Unfortunately, we have been confronted for a year with the fact that the concept of the GG / BO, as an organization behind bars, under which many prisoners find themselves together, wage fights with jointly formulated goals, go public and plan actions for the federal states, that we have supported no longer applies. For at least a year now, we have been supporting predominantly single fights by prisoners instead. Our main concern, namely to support the GG / BO and thus collective struggles, is in fact simply no longer possible because there are no more GG / BOs in the federal states of Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Western Pomerania, Schleswig Holstein and Baden-Württemberg.

The reasons for this are certainly diverse, but it has become obvious that the blatant division of the prisoners by, for example, guards, the repression and isolation unfortunately works well. Prisoners were repeatedly made clear that contact with us as a solo group can have negative consequences. Our communication with them was monitored, letters were stolen by the guards even before they had reached the prisoners, if prisoners were in contact with us anyway and tried to defend themselves against the circumstances, disciplinary measures, increased confinement or the same were often followed total isolation. This obviously intimidated many prisoners. While in the early days of the GG / BO more and more prisoners wanted to become active and the organization had over 1000 members at times, our contact with prisoners has recently decreased, let alone the fact that we can now speak of an “organization” support. Accordingly, our name was no longer the program and we were forced to think about this and thus our role and function.

We are convinced that, among other things, our anti-state and anti-capitalist attitude has contributed to the fact that prisoners are exposed to increased repression when they have contact with us. When people outside fight against domination and oppression and not only demand a new government, a new form of domination or less exploitation and oppression, they are usually confronted with repression. What attacks the state most, namely the struggle for a general liberation from capitalism and capitalism, is constantly trying to answer with massive repression in order to suppress resistance, silence rebels and thus secure his rule. One form of oppression is jail. He locks people away who did not behave according to capitalism and the rules of the rule. If, however, people here do not allow themselves to be forbidden, rebel and resist, that is of course absolutely contrary to what the state wants to achieve with jail. Prisoners who organize themselves and try to defend themselves together are accordingly a thorn in the side of the state.

Within the GG / BO many prisoners have often stuck to the minimum goals or simply demanded “more information”, “better medical care” or “lower purchase prices” in jail. Of course, these stated goals do not initially attack the state per se. But we believe that outside contact, for example with anti-prison groups, makes the state tremble. Prisoners who do not fight in isolation, but look for and find allies inside and outside, are dangerous for the state. The GG / BO has been confronted with repression since it was founded because there was contact with the outside world from the start. Just as we as a solo group then increasingly openly presented our anti-jail perspective to the outside world, the repression against prisoners also increased.

So we had to decide: let’s jump on the reformist train, shut up on certain points, maybe the repression will decrease and the GG / BO maybe bigger again. Or do we want to remain dangerous together, rebellious together, not allow ourselves to be intimidated and actually be a threat to the state and capital, both indoors and outdoors?

Yes we do!

Criminals for freedom!

To be honest, the decision was not difficult for us. It is clear to us that an actual liberation from oppression, domination, fascism, patriarchy etc. cannot take place with the state or capital, because they promote every form of oppression and need to maintain their system. Because of this, ducking before the state, submitting to its repression, keeping your mouth shut and twiddling your thumbs at home has never been a serious discussion between us.

We also never brought up for discussion that we wanted to support all prisoners. In our practice, however, it was no longer a collective that we support, but rather individual prisoners who were fighting, but also prisoners who were not fighting. Even if we now have a new name, we will continue to support all prisoners with whom we have already been in contact and with whom we have shown solidarity. This also applies to all future prisoners and rebels who will contact us. We are also of course happy if a GG / BO should form again within the above-mentioned federal states or even nationwide and are therefore always ready to support them.

It always applies to us that the prisoners in particular are the clock and cue givers of the fights. Of course we also try to influence it, but it is primarily the prisoners who decide what they want to defend themselves against and what means they want to use for it. Because we see ourselves concretely as a support structure, it sometimes happens that we, as the mouthpiece for the prisoners, come into contact with civil servants or government officials. We could also imagine more beautiful things, but we understand the urgent need of some prisoners, for example, to make content widely public and therefore to contact commercial media. Some also want us to deal with social workers or “non-profit associations” in the hope that that something will improve in jail as a result. Some prisoners sometimes take action themselves and, for example, contact media representatives with whom they want to work. For those for whom this is not an option, for example because they do not have the opportunity to do so from within, we support at this point, as far as we can imagine. We are aware that our negative attitude towards the state and all its bearers and servants is sometimes contradicting our practice. However, it is important to us to support the prisoners first and foremost – we do not throw our attitude entirely overboard, but admittedly it takes second place at times. This is also the case with actions within the prisons. Here the prisoners decide what they want to do and what not. Provided that we can imagine it, we can support them and are happy to give tips based on other practical experience of prisoners.

It is different with actions outside. Here we decide what we want to do and what not and choose the means that we consider important, good and necessary.

We know that when we write that we all support, the alarm bells will ring for some . To come to the point: yes, we really mean everyone and yes, it can also happen that people contact us whose values ​​we do not agree with. However, it is important to us not to reproduce the constructions of “good” and “bad” and to take a judge’s position with which we judge what is possible and what is not. We want to allow discussions between ourselves and the prisoners, acknowledge realities of life but of course also set our own limits. But C4F doesn’t have oneLimit because we are not a homogeneous bunch. We are made up of individuals who each have their own limits and we work accordingly. At the same time, we also have a self-image against domination and oppression, which we not only communicate to the prisoners on a regular basis, but are also in constant dialogue with them about it. In concrete terms, this means that certain prisoners, such as staunch Nazis, do not feel like working with us at all (which, to be honest, often makes our work easier). At the same time, however, we also have contact with prisoners who, for example, utter racist remarks in (jail) everyday life. In the second case, dealing with the individual based on our own self-image is important to us and each of us decides for himself whether we want to keep in touch or not. Important: Contact does not mean direct support. If we want the general abolition of prisons and not our own prisons for our enemies, that does not mean that we support all prisoners equally. For example, we wouldn’t give a staunch Nazis any money for Telio phone calls, but if the prison doors were open, we wouldn’t close them for him either. We think that the confrontation with our enemies does not take place through jails, but on the streets, in cities and villages – in short: where we live and want to live. Even if we haven’t managed to de-Nazify the places where we live, for example, jail can’t be the solution to social and political problems.

But whether we then have an answer to how we should deal with people who contradict our values?

Just as we want to fight for a liberated society that will never be free from different values ​​(and that’s a good thing, so to speak), we have also been working on this question since our foundation as a solo group GG / BO and are happy to answer it individually and not across the board . And we hope that other non-explicit anti-jail groups do the same, because anti-jail work must not stand on its own. Mechanisms of repression are interdependent and we would find it fatal to look at forms of discrimination in isolation. This would not correspond to a general hostile attitude towards the entire prevailing system, which we are happy to cultivate. Networking with anti-fascist, anti-racist, anti-patriarchal, anti-capitalist, anti-state, etc. That is why we have always found initiatives to be absolutely necessary and accordingly try to combine our struggles with others in our practice at all times, so that in the best case, “our” and “other” disappear. Thinking and shaping struggles together and thus countering the structural oppression bit by bit and, in the best case, overcoming it is therefore the motto that we work according to and which can perhaps answer the above question to a certain extent. But because we don’t see ourselves in the position of having to answer the question alone, we are of course also open to new ideas and suggestions. Thinking and shaping struggles together and thus countering the structural oppression bit by bit and, in the best case, overcoming it is therefore the motto that we work according to and which can perhaps answer the above question to a certain extent. But because we don’t see ourselves in the position of having to answer the question alone, we are of course also open to new ideas and suggestions. Thinking and shaping struggles together and thus countering the structural oppression bit by bit and, in the best case, overcoming it is therefore the motto that we work according to and which can perhaps answer the above question to a certain extent. But because we don’t see ourselves in the position of having to answer the question alone, we are of course also open to new ideas and suggestions.

At the same time, we have been doing more anti-repression work for about two years now. For example, we accompany people in litigation or politically in preparation for prison time. It is always important to us to overcome the categories of guilt and innocence or good and bad. The constructs move within a state framework in which guilt always means having allegedly defied the prevailing rules, which in this society is associated with something “bad” or “evil”. Innocence means kissing the feet of the code of law and thus the state, which in this society is interpreted positively and thus “well”. For all freedom-loving people, however, the state is our enemy and thus also its laws and rules, which are designed to dominate, suppress and discriminate us. Breaking these is accordingly nothing bad or evil for us, but mostly the obvious urge to gain more freedom. With the help of the constructs, however, actions are to be isolated from their political and social context and the actual violence emanating from the state made invisible. Individuals are blamed for all evils, while the state always gets off well. He can do what he wants, deprive us of all freedom and deprive us of self-determination – he and his henchmen will not be judged. But we all, whether in jail or not, are fighting for this or a little more freedom, be it with the demand for more information, with a bank robbery or an attack on those who exploit and humiliate us, deprive us of our freedom. All these fights the state is always called “evil”. Define “criminal” and “bad” because they attack its structure, what defines it. It is all the more important that we join forces, shape the struggles together, do not allow ourselves to be divided and oppose the categories of bad, criminal and good, of guilty and innocent. As long as the state deliberately criminalizes our struggles and thus wants to divide us, we therefore all see ourselves with full satisfaction ascriminals , whether in jail or not. Because: we all fight for freedom with different means. If there is supposed to be criminals , we like to be criminals .

It is therefore no coincidence that those who take a piece of freedom or want or have to fight for themselves because otherwise life or survival is simply no longer possible are most attacked by the state. That is why it is important for us to show solidarity, especially with the oppressed, and to support our own structures in the event of repression, which fight for freedom in their own way. In an increasingly fascist, authoritarian state, it is becoming more and more important to defend, expand and aggressively act on left politics – if people are confronted with repression, we will show our solidarity.

Because the self-image and our practice described here cannot be found in the name “Soligruppe Berlin der GG / BO”, we have decided to rename ourselves to “Criminals for Freedom – together rebellious, together dangerous” and to make our actual work more transparent: Support for all prisoners regardless of their structure or nonexistent structure, anti-repression and anti-prison work, connected with all struggles against oppression, discrimination and domination and the defense of left-wing politics.

We haven’t been running this program since yesterday, but it should now be reflected in the new name.

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